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Dresden. Eine faszinierende Idee

Faszination kann von der ewigen Schönheit alter Kunst ausgehen oder von den visionären Ideen der modernen Wissenschaft. In Dresden haben diese nur scheinbar widersprüchlichen Seiten menschlicher Fähigkeiten seit jeher ihren festen Platz.

Neumarkt mit Coselpalais und Kunstakademie. Foto: Christoph Münch

Madonna und Molch

Der Gegensatz zwischen ihnen könnte größer kaum sein, und doch können sie zusammen als Ikonen für die Vielfalt und Bedeutung Dresdens stehen: die Sixtinische Madonna und das Axolotl. Sie, vor 500 Jahren von Raffael gemalt, farbenprächtig und schön, steht für die Reife und Vollendung menschlicher Schöpferkraft. Es, eine Laune der Natur, blass und unscheinbar, seit 350 Millionen Jahren ein Zwischenstadium im Dauerzustand. Beide sind eigentlich Fremde in der Stadt. 1753 erwarb Abbate Giovanni Battista Bianconi die Sixtinische Madonna in Piacenza für den sächsischen Hof. Fünfzig Jahre später brachte Alexander von Humboldt die ersten Axolotl aus Mexiko nach Paris.

Heute sind sie aus Dresden nicht wegzudenken. Sie als Titelbild der Dresdner Gemäldegalerie und das Symbol der Kunst- und Kulturstadt, es als Forschungsobjekt in den Aquarien des Zentrums für Regenerative Therapien der TU Dresden, einem der Aushängeschilder des Wissenschaftsstandorts Dresden.  Die Sixtinische Madonna wird als Verkörperung ausgleichender Harmonie und erträumter Idealität von Einheimischen und Touristen bestaunt, das Axolotl wegen seiner erstaunlichen Regenerationsfähigkeit in der Stammzellforschung von Wissenschaftlern geschätzt. So haben sie in Dresden zusammengefunden, als Sinnbild ewiger Schönheit oder als Hoffnungsträger für die Zukunft, als Beispiele menschlicher Fähigkeiten.

„Blaues Wunder“ wird die Loschwitzer Brücke genannt.Foto: Christoph Münch

Porzellan und Professoren

Wie sieht eigentlich ein Exzellenz-Cluster aus? Ist es ein dunkles Gewölbe hinter dicken Festungsmauern, in dem ein einsamer Alchemist, abgeschottet von der Außenwelt, einen kurfürstlichen Befehl in die Tat umzusetzen gezwungen wird? Ist es ein Licht durchfluteter Bau aus Glas und Stahl, in dem ein Team von Wissenschaftlern, gefördert von Stadt, Freistaat oder Bund, international und interdisziplinär vernetzt, kreativ für die Zukunft forscht? Oder ist nur entscheidend, was dabei rauskommt? Das jedenfalls kann sich in beiden Fällen sehen lassen. 1708 erfand Johann Friedrich Böttger in Dresden das europäische Porzellan. Heute arbeiten hier die Wissenschaftler des Forschungszentrums für Regenerative Therapien der TU Dresden an neuen Methoden im Kampf gegen Krebs-, Zucker- und Knochenkrankheiten. Doch das sind nur zwei Meilensteine auf der langen Traditionslinie der Dresdner Wissenschafts- und Forschungsleistungen. Was in kleinen Laboratorien und Werkstätten begann, prägt heute die Stadt mit zwölf Einrichtungen der Fraunhofer-Gesellschaft, fünf Leibniz- und drei Max-Planck-Instituten, einem Zentrum der Helmholtz-Gemeinschaft, der Technischen Universität und sieben weiteren Hochschulen. So ist die Kunst- und Kulturstadt Dresden auch ein Exzellenz-Cluster, in dem die Zukunft schon ein Stück Gegenwart ist.

 

Semperoper und Theaterplatz mit Reiterstandbild von König Johann. Foto: Christoph Münch

Kirschkerne und Kunststoffe

Die Nanotechnologie ist wohl älter, als ihr Name vermuten lässt. Oder wie will man es nennen, wenn jemand über 100 Gesichter in einen winzigen Kirschkern schnitzt? Zu bestaunen ist diese über 400 Jahre alte Meisterleistung der Handwerkskunst im Grünen Gewölbe, der ehemaligen Schatzkammer der Wettiner Fürsten. Klein, aber oho, dieser Kirschkern, könnte man sagen und doch ein Gigant im Vergleich zu jenen molekularen Motoren, für die sich die Forscher zweier in Dresden beheimateter Max-Planck-Institute interessieren. Werden ihre Vorstellungen Realität, könnten diese im menschlichen Organismus millionenfach existierende Gebilde irgendwann für technische Zwecke nutzbar werden. Eine Meisterleistung wäre auch das und man fragt sich, wie die Vision eines modernen Grünen Gewölbes der Wissenschaft aussehen könnte, bestückt mit den Errungenschaften der Dresdner Forscher von heute. Statt Gold und Silber, Edelsteinen und Bergkristallen, könnten diese technischen Wunderwerke aus dem Luftmetall des Fraunhofer-Institiuts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung bestehen. Statt Bernstein, Elfenbein und Korallen kämen sicher die Kunststoffe und Pulverlacke des Leibniz-Instituts für Polymerforschung zum Einsatz. Aber wer wollte in dieser fiktiven Schatzkammer die Gesichter zählen, die auf dem Speicherchip aus einem 300-mm-Wafer von Infineon Platz fänden? Präsentieren könnte man die Hochtemperaturbrennstoffzellen, organischen Leuchtdioden und intelligenten Bauteile genau so, wie die Pretiosen, Schmuckdosen und Kaffeezeuge im Historischen Grünen Gewölbe. Auf Konsolen vor vergoldeten Spiegelwänden könnten sie stehen, nur dass die Spiegel heute vom Fraunhofer-Institut für Elektronenstrahl- und Plasmatechnik beschichtet wären. 

Stallhof – umgeben von Johanneum, Langem Gang und Schloss. Foto: Christoph Münch

Kultur und Kongresse

Als Kunst- und Kulturstadt kann „Elbflorenz“ auf eine lange Tradition und ein weltweit hohes Ansehen verweisen. Daneben aber hat sich Dresden in den letzten Jahren auch zu einem der bedeutendsten Kongress-Standorte in Europa entwickelt und damit als moderne und weltoffene Großstadt präsentiert.

Jung und alternativ

Im Szene- und Kneipenviertel Äußere Neustadt hat sich eine Club- und Partyszene etabliert, der sich nicht nur die vierzigtausend Dresdner Studenten kaum entziehen können. Gefeiert wird während des alternativen Stadtteilfestes der „Bunten Republik“ oder der Unity Dresden Night. Die Strandbars am Pieschener Hafen, die größte Kletterwand Sachsens oder das Wasser- und Wakeboardzentrum sind beliebte Treffpunkte der Jugend, die mit der Ostrale, den Filmnächten am Elbufer, mit Nachtskaten oder den Poetry Slams der Stadt  ein neues Gesicht geben.  

Erlebnis und Genuss

Dresden ist ein Fest für die Sinne und seit jeher dem Schönen zugetan. Schon August der Starke war für seine opulenten Feste bekannt, aus seinem Auftrag ging die Erfindung des europäischen Porzellans hervor, des Weißen Goldes, das Schönheit und Genuss auf wunderbare Weise verbindet. Dieser Schönheit kann man unter anderem im schönsten Milchladen der Welt begegnen.

 

Die am 30. Oktober 2005 geweihte Dresdner Frauenkirche beherrscht wieder den Dresdner Neumarkt. Foto: Cristoph Münch