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Nachrichten und Aktuelles

06.02.14

Der Professor als Verkäufer? Unsere Antwort auf den FAZ-Artikel

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschien gestern ein Beitrag über den schlechten Einfluss von Hochschulkommunikatoren auf Wissenschaftler. Hier der Text unserer Antwort, den die FAZ als Leserbrief erhalten hat.


Sehr geehrte Frau vom Lehn, sehr geehrte FAZ-Redaktion,

als Hochschulpressesprecher und -kommunikatoren freuen wir uns über Berichterstattung natürlich auch, wenn wir selbst einmal deren Gegenstand sind. Ihr Beitrag in der FAZ vom 5. Februar, „Der Professor als Verkäufer“, greift eine aktuelle Diskussion auf. Im Kern geht es ja um die wichtige und kontroverse Frage, ob professionelle Kommunikation die Forschung oder die Forscher selbst verändert. Neuere Studien legen dies tatsächlich nahe.* Vor diesem Hintergrund lohnt es sich, näher hinzuschauen.

Hochschulpressesprecher appellieren an die Wissenschaftler, der Öffentlichkeit zu erklären, wie die Welt funktioniert, was sie tun und wem dies nützt. Unzählige Male vermitteln wir jeden Tag Experten zu aktuellen und brennenden Themen an die Medien, insbesondere an diejenigen ohne eigene Wissenschaftsredaktion, ermöglichen Drehtermine, und regen zur Berichterstattung über Forschungsergebnisse und Campusgeschehen an. Wir organisieren Tage und Nächte der offenen Tür, Kinder-Universitäten, Diskussionsveranstaltungen und Ausstellungen. Wir unterstützen Forscher dabei, in verständlichem Deutsch über ihre Projekte und Ziele zu reden und zum Beispiel zu verstehen, dass Journalisten nicht vier Monate, sondern oft nur vier Stunden oder weniger Zeit für eine Recherche haben.

Die Freiheit von Forschung und Lehre impliziert glücklicherweise, dass sich Wissenschaftler keinen Maulkorb von irgendwem gefallen lassen müssen. Wenn sie manchmal bescheiden, schüchtern oder vielleicht genervt wirken und Journalisten auf ihre Pressestellen verweisen, kann das viele Gründe haben, zum Beispiel Zeitmangel oder die Angst, falsch zitiert zu werden. Diesen intelligenten Menschen und ihren intelligenten Studenten einen Maulkorb zu verpassen, liegt weder in unserer Macht noch ist es in unserem Interesse. Es widerspricht im Gegenteil unserem Anspruch an unsere Arbeit.

Daran, dieses Thema mit Ihnen und Ihren Kollegen weiterzuverfolgen, ist uns  sehr gelegen. Wir wüssten auch gern konkreter, welche Erfahrungen Sie zu Ihrem Beitrag veranlasst haben. Gern laden wir Sie zur Diskussion im Rahmen unserer Jahrestagung am 24. bis 26. September in Konstanz ein – oder debattieren Sie mit uns zum Beispiel auf Facebook oder in unseren Mailinglisten.

Zu Ihrer Information finden Sie unten auch die Links zum Thema unserer letzten Jahrestagung über „Transparenz in der Wissenschaftskommunikation“ und den „Siggener Denkanstoß“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Elisabeth Hoffmann

Sprecherin des Bundesverbandes Hochschulkommunikation e.V.

und Leiterin der Stabsstelle Presse und Kommunikation der Technischen Universität Braunschweig 


Der Bundesverband Hochschulkommunikation im Web:
http://www.bundesverband-hochschulkommunikation.de/home/

und auf Facebook:
https://www.facebook.com/bvhochschulkommunikation

Der Link zur letzten Tagung:
http://www.bundesverband-hochschulkommunikation.de/jahrestagungen/2013-hannover/ 


Der Siggener Denkanstoß:
http://www.bundesverband-hochschulkommunikation.de/service/empfehlungen-und-handreichungen/siggener-denkanstoss/


* Öffentlichkeit und Hochschulperformanz http://www.uni-muenster.de/Kowi/forschen/projekte/oeffentlichkeit-und-hochschulperformanz.html