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26.06.12

Nachruf auf Elmar Hein


Nachruf auf einen Freund und Kollegen:
Elmars Zuhause, Elmars Tod

 

So frohe, so fröhliche Erlebnisse mit meinem Kollegen und Freund Elmar Hein habe ich in Erinnerung: Unsere kurzfristige Festnahme, als wir nach einem ausgiebigen Whiskey Tasting am Rande einer EUPRIO-Konferenz über den Zaun des Festival Parks kletterten und direkt vor die Füße der Polizei von Edinburgh plumpsten, das Abhängen in den vom ihm so geliebten Hard Rock Cafes und natürlich auch die einmalige Atmosphäre auf dem Betzenberg, als er mich zu seinem geliebten FCK mitnahm. Dort, unweit des Stadions, war seine Heimat.

Seine Heimat, das war nicht Kaiserslautern, nicht die Stadt, ja nicht einmal das Häuschen, in dem er mit seiner Frau lebte. Elmars Heimat war die Universität.

Wenn Elmar mit Dir über den Campus seiner Universität ging, Dir dies erzählte und das, diesen freundlich grüßte und von jenem ein Hallo hörte, dann hast Du gespürt: Das hier ist Elmars Zuhause, die Uni, das ist Elmars Familie. Während unsereins sich in den 80er Jahren noch zweiflerisch quälerischen Selbstverständnis-Debatten über die Rolle des Pressereferenten in der Hochschulöffentlichkeit hingab, war Elmar schon durch und durch eins mit seinem Job, durch und durch positiv gestimmt ob des Privilegs, sich an dieser Stelle für seine Hochschule engagieren zu können. Ich habe keinen Kollegen kennen gelernt, der sich so eins mit seiner Uni gefühlt hat, der so symbiotisch mit seinem Job verbunden war, der sich so identifiziert hat mit seiner Aufgabe, der so für sie gelebt hat wie Elmar.

Jetzt ist Elmar tot.

Als man Elmar seinen Job genommen hat, hat man auch sein Leben zerstört.

Es fing 1997 an. Der damalige Präsident der Uni Kaiserslautern wurde HRK-Präsident und ging nach Bonn. Elmars langjähriger Chef, für den und mit dem er so viele Jahre eng, loyal und erfolgreich zusammengearbeitet hatte, war weg. Elmar war am Ende dieser Phase in Kaiserslautern als Leiter seiner Abteilung nicht nur für die Public Relations im Inland verantwortlich gewesen sondern auch für die Auslandsbeziehungen. Die Freude an seiner Arbeit war bestärkt und belohnt worden durch Vertrauen, durch Autonomie, Eigenverantwortung, Entscheidungsspielraum. All das war plötzlich weg, als sein damaliger Chef weg war. Nun musste sich Elmar, der zuvor auf Auslandsreisen für seine Uni geworben hatte, bei der Sekretärin des neuen Präsidenten abmelden, wenn er nur sein Büro verlassen wollte, um etwas in der Stadt zu erledigen. Was folgte, würde man heute Mobbing nennen. Elmars Zuhause wurde vergiftet. Und er war dafür so anfällig wie kaum jemand sonst. Als hätte man ihm den Teppich unter den Füßen weggezogen, geriet er ins Straucheln, flüchtete in den Alkohol, verließ seine Uni, seine Familie, sein Zuhause und auch seine damaligen Freunde.

Jetzt weine ich um ihn. Erst vor kurzem habe ich endlich herausgefunden, was geschehen ist, seit er Ende der 90er Jahre aus meinem Blickfeld verschwunden war. Leider zu spät. Elmar ist nie mehr auf die Beine gekommen, hat vergeblich gegen die Sucht, gegen sein Unglück gekämpft. Er starb im März dieses Jahres, in einer kleinen Wohnung in Saarbrücken, allein.

 

Bernt Armbruster, im Juni 2012