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Diskussionspapier:

Leitlinien für gute Wissenschaftskommunikation

Anmerkung: Diese Leitlinien sind von einer gemeinsamen Arbeitsgruppe von Bundesverband Hochschulkommunikation (IQ Leitlinien) und Wissenschaft im Dialog 2015 überarbeitet worden. Die finale Version der Leitlinien finden sich Opens internal link in current windowhier.

 

Wissenschaftskommunikation arbeitet an der Schnittstelle von Wissenschaft und Öffentlich­keit. Die Kommunikatoren sind sich dabei der Tatsache bewusst, dass sie nicht nur Journalisten, sondern über das Internet und Soziale Medien, in Veranstaltungen oder Ausstellungen in immer stärkerem Maße direkt die Bürger erreichen. Damit wächst die Verantwortung der Wissenschaftskommunikatoren für die Qualität der von ihnen bereitgestellten Informationen und Dienstleistungen.

Gute Wissenschaftskommunikation stärkt das Bewusstsein und den Respekt für die Positionen aller Akteure. Sie soll und darf für die Bedeutung und die Arbeitsweisen der Wissenschaft werben und den Blick für unterschiedliche Wissenschaftskulturen öffnen. Gleichzeitig trägt sie die Fragen, Bedürfnisse und Stimmungen, gegebenenfalls auch die Ängste und Vorbehalte der Bürger in die Wissenschaft und ihre Entscheidungsgremien. Sie schafft Foren für den Dialog.

Gute Wissenschaftskommunikation stellt aus der Fülle der Informationen diejenigen heraus, die relevant für die Bürger sind. Sie vermeidet dabei unnötige oder unwirksame Maßnahmen. Das Filtern der Informationen erfolgt nach möglichst objektiven Maßstäben und nicht aufgrund von Eigeninteressen.

Gute Wissenschaftskommunikation arbeitet faktentreu. Sie übertreibt nicht in der Darstellung der Forschungserfolge und verharmlost oder verschweigt ihr bekannte Risiken neuer Technologien nicht. Sie macht Grenzen ihrer Aussagen sichtbar. Außerdem sorgt sie für Transparenz der Interessen und finanzieller Abhängigkeiten. Sie benennt Quellen und Ansprechpartner. Sie beantwortet die Frage, welche Bedeutung die Informationen für Wissenschaft und Gesellschaft haben und ordnet sie in den aktuellen Forschungsstand ein. Sie weicht nicht für Zwecke des Institutionenmarketings oder der Imagebildung von Faktentreue und Transparenz ab.

Gute Wissenschaftskommunikation achtet darauf, dass Informationen zielgruppengerecht aufbereitet und verbreitet werden. Sie kennt die dafür jeweils geeigneten Instrumente und Kanäle. Sie verwendet eine verständliche Sprache.

Das Interesse der Bürger richtet sich nicht allein auf Fakten. Um für Wissenschaft zu werben, erzählt gute Wissenschaftskommunikation auch Geschichten aus der Wissenschaft, von ihren Protagonisten, ihrem Alltag und ihrer Umgebung. Sie bietet Identifikations­möglichkeiten. Gute Wissenschaftskommunikation ermöglicht, dass Wissenschaftler selbst über sich, ihre Motivation und ihre Arbeit sprechen.

Gute Wissenschaftskommunikation ist selbstreflexiv und selbstkritisch. Sie arbeitet wertegeleitet und strategisch und definiert Maßstäbe für die Qualität ihrer Arbeit und ihrer Ergebnisse. Sie organisiert ein Monitoring über die Erfüllung der Kriterien und ermöglicht deren Veränderung über Feedbackprozesse.

Gute Wissenschaftskommunikation ist offen für gesellschaftliche Veränderungen und passt ihre Strategien und Maßnahmen auf der Basis ihrer Werte kontinuierlich an. Sie sucht dazu den Austausch und die Kooperation mit anderen Kommunikatoren, Wissenschaftlern, Journalisten und Bürgern. Sie nutzt den nationalen und internationalen Diskurs über Praxis und Forschung in der Wissenschaftskommunikation für ihre Arbeit. Sie fördert den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Institutionen und den Dialog mit Stakeholdern.

Das Diskussionspapier ist Teil des Siggener Aufrufs (2014) und schöpft seine Inhalte aus der gemeinsamen Arbeit auf Gut Siggen in 2013 und 2014.

Wir wollen mit diesem Anstoß die aktuellen Befunde und Forderungen des Siggener Kreises und anderer Foren in Form von Leitlinien auf die Praxis der Wissenschaftskommunikation anwenden.

Das Papier erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und soll in den Gremien der Wissenschaftskommunikation sowie in der Forschung diskutiert und bei Bedarf ergänzt und angepasst werden. Seine Praktikabilität muss sich im Alltag bewähren. Die Leitlinien sollen regelmäßig überprüft und den Anforderungen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation folgend weiterentwickelt werden.

 

Opens internal link in current windowDer Siggener Kreis, im Juni 2014