Wir bringen Hochschulen ins Gespräch.

DER SIGGENER KREIS

Denkwerkstatt für die Weiterentwicklung der Wissenschaftskommunikation

Der Siggener Kreis entstand auf Initiative des Bundesverbands Hochschulkommunikation und der Gemeinschaftsinitiative der deutschen Wissenschaft - Wissenschaft im Dialog. Im Rahmen des Programms „Eine Woche Zeit“ der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. in Kooperation mit dem ZEIT Verlag kamen im Juli 2013 erstmals die Mitglieder des Siggener Kreises ohne Auftrag oder Mandat ihrer Institution zusammen, um fünf Tage lang über zentrale Themen und Trends, Chancen und Herausforderungen in der Wissenschaftskommunikation zu debattieren.

Seitdem folgen im jährlichen Abstand weitere Tagungen. Der Siggener Kreis versteht sich als überinstitutioneller Arbeitskreis. Die Mitglieder, Vertreter*innen aus Wissenschafts-PR, Wissenschaft und Wissenschaftsjournalismus, nehmen persönlich an der Denkwerkstatt teil und nicht als institutionelle Vertreter*innen und Vertreter. Der Siggener Kreis ist keine geschlossene Gruppe. Neben bereits bei früheren Tagungen mitwirkenden Personen können jedes Jahr über eine Ausschreibung zur Teilnahme auch neue Mitglieder*innen hinzukommen. 

LEITLINIEN ZUR GUTEN WISSENSCHAFTS-PR

Siggener Impulse 2020 - Die Krise kommunizieren

Ein wöchentlicher Podcast eines Wissenschaftlers mit Millionenpublikum, eine Kanzlerin, die Abstandsregeln und den R-Wert1 erklärt; wissenschaftliche Stellungnahmen, die wesentliche Auswirkungen auf politische Entscheidungen haben und in unmittelbarem zeitlichem Zusammenhang mit diesen stehen. Die Corona-Pandemie ist weder eine Krise der Wissenschaft noch der Wissenschaftskommunikation. Doch sie hat beide in den Fokus der öffentlichen Debatte gerückt und vor
neue Herausforderungen gestellt.

Ist die Corona-Krise eine so einzigartige Erscheinung, dass wir für die Zukunft nicht aus ihr lernen können? Oder handelt es sich hier vielmehr um eine Verdichtung bzw. Erhöhung der Geschwindigkeit, mit der bereits gewohnte Kommunikationsprozesse ablaufen? Bringt sie tatsächlich die „neue Normalität“, die unsere Handlungsspielräume auch in Zukunft nachdrücklich einschränken wird? Oder bietet die Krise ganz neue Möglichkeiten für nachhaltigere Formen der Wissenschaftskommunikation? Uns ist bewusst, dass es bei weitem zu früh für die Beantwortung dieser Fragen und eine abschließende Bilanz der Corona-Krise ist. Die Welt steht weiterhin vor enormen medizinischen, politischen und ökonomischen Problemen. Zur Zeit der Siggener Tagung und ihrer Dokumentation ist nicht klar, ob Deutschland eine zweite Infektionswelle erleben wird und wie sich diese auswirken würde. Die wirtschaftlichen, politischen und sozialen Ausmaße der Pandemie sind bisher allenfalls zu erahnen.

Bereits jetzt ist allerdings einmal mehr deutlich geworden, wie wichtig authentische Stimmen von Seiten der Wissenschaft und der bewertende und objektive Wissenschaftsjournalismus für die Bewältigung einer solchen Krise sind. Gerade die Corona-Krise hat jedoch dem Journalismus in dramatischem Umfang dringend benötigte Ressourcen entzogen. Zwar konnten Presseorgane während der Pandemie vermehrt Digitalabonnements einwerben. Diese aber konnten die Verluste der
aufgrund der Wirtschaftskrise schwindenden Anzeigen nicht kompensieren, mit dem paradoxen Resultat, dass die Corona-Pandemie den Erosionsprozess der privatwirtschaftlich organisierten freien Presse noch beschleunigen dürfte. In den Redaktionen wurde in der Regel Kurzarbeit eingeführt. Immerhin wächst die Erkenntnis, wie unerlässlich ein sorgfältig recherchierender, seriös sortierender Journalismus über Wissenschaft als Gatekeeper für eine Demokratie im Grunde ist.

Es ist möglich, dass sich die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie auch drastisch auf die Mittel für Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation auswirken werden. Wir wissen obendrein nicht, ob die Wissenschaft letztlich die in sie gesteckten Erwartungen erfüllen und Lösungen in Form von nachhaltig wirksamen und nebenwirkungsarmen Impfungen und neuen Therapien zur Bekämpfung der Pandemie anbieten kann. Auch ist noch unklar, wie sich das Vertrauen in die
Wissenschaft auf lange Sicht im Rahmen der Krise weiter entwickeln wird.2

Doch den optimalen Zeitpunkt, um mit der Verarbeitung von Krisen zu beginnen, gibt es nicht. Wir haben daher die relative zeitliche Nähe zu den ersten Ereignissen und Entscheidungen in der Corona-Pandemie genutzt, um über die Rollen von Wissenschaftler*innen, Wissenschafts-PR-Beauftragten und Wissenschaftsjournalist*innen, die Erwartungen von und die Bezüge zu Politik und Gesellschaft in dieser Zeit sowie die Bedeutung der Forschung über Wissenschaftskommunikation
nachzudenken. Ein Zwischenruf. 

1Reproduktionszahl: Gibt an, wie viele Menschen eine infizierte Person durchschnittlich ansteckt.
2Wissenschaftsbarometer