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Siggener Impulse 2018: Walk the talk - Chefsache Wissenschaftskommunikation

Um die Errungenschaften einer aufgeklärten, demokratischen Gesellschaft zu verteidigen, müssen alle gesellschaftlichen Kräfte an der Aufrechterhaltung eines sachlichen öffentlichen Diskurses mitwirken. Denn Einzelne oder Interessengemeinschaften können heute über gezielte Kampagnen große Teile der Gesellschaft erreichen und beeinflussen. Sie können auch die Aussagen der Wissenschaft über die Beschreibung der Welt in Frage stellen und neue, ihnen genehme "Wirklichkeiten" konstruieren. Mit populistischen Bewegungen finden sie Verbündete, die mehr und mehr in die Strukturen der demokratischen Gesellschaft vordringen. Wissenschaftskommunikation1 kann denjenigen, die die Wissenschaft in Frage stellen, zu wenig entgegensetzen.

In dieser Situation wird ein Business as Usual in der Wissenschaftskommunikation, bei dem man im Wesentlichen auf Eigendarstellung bedacht ist, der Situation nicht mehr gerecht. Doch in den Vorstellungen vieler Entscheiderinnen und Entscheider in den Leitungsebenen von Forschungseinrichtungen und Hochschulen herrscht noch ein eher traditionelles Bild von Wissenschaftskommunikation. Das gilt auch für viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Sie nehmen institutionelle Kommunikation und mitunter sogar journalistische Berichterstattung häufig noch als Dienstleistung war. Sie sollen dem Zweck der Legitimation oder als Mittel zur Selbstdarstellung und Werbung für sich oder das eigene Haus dienen. Ein Rückkanal und Austausch sind nicht mitgedacht.

Vor diesem Hintergrund haben wir in Siggen 2018 an denjenigen Themen gearbeitet, die wir in den kommenden Jahren als besonders wichtig und dringlich erachten und für die wir auch ein Commitment seitens der Leitungsebenen benötigen. Gleichzeitig haben wir das Verhältnis der Kommunikationsabteilungen zu ihren Chefetagen thematisiert. Reden beide Seiten aneinander vorbei? Gibt es blinde Flecken im Verständnis von und im Selbstbild der Wissenschaftskommunikation? Wo gibt es Missverständnisse? Wie kann es besser gehen? Und was hat dies mit dem Wissenschaftsbetrieb selbst zu tun? Diese Fragen haben wir zum Gegenstand unserer Tagung in Siggen vom 1. bis zum 5. Oktober 2018 gemacht.