Unter dem Titel „Dialog unter Druck – Wie wir handlungsfähig bleiben” fand unsere diesjährige Jahrestagung vom 16. bis 18. September 2026 an der Universität Innsbruck statt. Knapp 500 Teilnehmende nutzten die drei Tage für fachlichen Austausch, kollegiale Vernetzung und die Auseinandersetzung mit den drängenden Fragen der Hochschulkommunikation.
Hochschulkommunikation unter politischem Druck
Stärker als in den vergangenen Jahren prägten politische Herausforderungen die Tagung. Vorstandsvorsitzende Katja Bär formulierte eine zentrale Schlussfolgerung: „Hochschulkommunikation muss unter politischem Druck Entwicklungen früh erkennen, strategisch beraten und dazu beitragen, dass Institutionen auch in schwierigen Situationen handlungsfähig bleiben."
Impulse dazu gaben u.a. Veronika Sexl, Rektorin der Universität Innsbruck, sowie Manja Schüle, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg. Schüle betonte in ihrer Videobotschaft: „Resilienz gegenüber Einflussnahme entsteht nicht von selbst – sie erfordert Vorbereitung, geklärte Rollen und die strategische Einbindung von Kommunikation in institutionelle Entscheidungen.“
Wie konkret diese Herausforderungen in der Praxis bereits sind, zeigte eine anschließende Fishbowl-Diskussion: Kolleginnen aus Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern teilten aktuelle Erfahrungen zu Haltung und Handlungsfähigkeit und diskutierten, wie dem Druck auf unsere Institutionen kommunikativ und durch Haltung begegnet werden kann. Deutlich wurde dabei, wie wichtig Solidarität untereinander und das gemeinsame Eintreten für Wissenschaftsfreiheit und Hochschulautonomie sind.
Im Gespräch mit Claudia Paganini: Wer Dialog will, muss ihn gestalten
Einen weiteren Höhepunkt bildete das Podiumsgespräch zwischen Katja Bär, Matthias Fejes und der Philosophin und Medienethikerin Claudia Paganini von der Universität Innsbruck. Paganini plädierte dabei für ein realistisches Dialogverständnis: Hochschulen als staatlich finanzierte Institutionen tragen eine besondere Verantwortung als Orte differenzierten Meinungsaustauschs und müssen sich dem Dialog stellen, auch wenn er unbequem wird. Zugleich warnte sie davor, unwissenschaftlichen Positionen eine Bühne zu bieten und ermutigte Kommunikationsverantwortliche dazu, die Regie im Gespräch zu behalten, ohne sich in eine defensive Haltung drängen zu lassen. Mit Hannah Arendt erinnerte sie daran: „Gewalt beginnt dort, wo das Reden aufhört.“
Im Programm: 35 Workshops, 25 Barcamp-Sessions, viele Themen
Neben den Plenarveranstaltungen boten insgesamt 35 Workshops und 25 Mini-Barcamp-Sessions ein breites inhaltliches Spektrum. Die Themen reichten von Künstlicher Intelligenz und Hochschulmarketing über den kommunikativen Umgang mit Landtagswahlen bis hin zu Website-Relaunch, Studierendengewinnung und Krisenkommunikation.
Nachdem die Jahrestagung im vergangenen Jahr den Schwerpunkt auf Künstliche Intelligenz legte, zog sich auch in diesem Jahr der Einfluss der neuen Technologie auf unser Berufsfeld als roter Faden durch viele Sessions – von konkreten Anwendungsbeispielen im Redaktionsalltag bis hin zur Implementierung von Leitfäden für die institutionelle KI-Nutzung in Marketing und Kommunikation.
Preise für Social-Media-Innovationen und vorbildliche Volontariatsausbildung
Auch Grund zum Feiern gab es in Innsbruck: Der Social-Media-Innovationspreis 2026 – aus 153 Einreichungen aus dem deutschsprachigen Hochschulraum ermittelt – ging an die Technische Hochschule Deggendorf für das „Pudding mit Gabel”-Reel, das einen aktuellen Social-Media-Trend humorvoll mit dem Hochschulalltag verband. Den zweiten Platz belegte die SRH Fernhochschule mit einem selbstironischen Reel zur eigenen Markenidentität, den dritten Platz die Technische Hochschule Augsburg mit einem Rap-Video zum Thema IT-Security.
Darüber hinaus wurde erneut der Volopreis an Hochschulen, verliehen die eine vorbildliche Volontariatsausbildung bieten. Ausgezeichnet wurden in diesem Jahr die Hochschule München, die Hochschule RheinMain, die Universität Stuttgart, das Karlsruher Institut für Technologie, die Fachhochschule Aachen, die Technische Universität Braunschweig, die Universität Bielefeld, die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, die Universität der Künste Berlin, die Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe, die Universität Hildesheim und die Universität Greifswald.
Dank und Ausblick
Ein herzliches Dankeschön gilt allen Teilnehmenden, Uwe Steger und seinem Team der Universität Innsbruck für die Gastfreundschaft sowie Susann Morgner und dem Team von con gressa für die Organisation der Tagung.
Was aus Innsbruck bleibt: Hochschulkommunikation wird politischer – ob sie will oder nicht. Damit wächst die Verantwortung für gute Kommunikation und ihre Rolle zum Erhalt der strategischen Handlungsfähigkeit der Institutionen. Austausch und gegenseitige Unterstützung sind dazu noch wichtiger denn je.
